Niklas Süle hat die EM 2020 noch nicht abgehakt

Seit Samstagabend weiß die deutsche Nationalmannschaft, dass schon die Vorrunde der Europameisterschaft 2020 trotz des Vorteils, alle drei Gruppenspiele vor heimischem Publikum in der Allianz Arena in München austragen zu dürfen, kein Spaziergang wird. Mit Frankreich und Portugal finden sich nebst einem dritten, noch in den Nations-League-Playoffs zu ermittelnden Gegner gleich zwei Schwergewichte in der deutschen Gruppe F.

Um diese Gruppe zu meistern, wäre es natürlich hilfreich, könnte Bundestrainer Joachim Löw auch mit seiner besten Elf antreten. Während man in dieser Hinsicht beim seit August verletzten Leroy Sane, dessen Comeback nach Weihnachten erwartet wird, zuversichtlich sein darf, stehen die Chancen auf einen EM-Einsatz von Niklas Süle im Deutschland-Trikot nach allgemeiner Einschätzung eher schlecht.

Süle mit dem Heilungsverlauf zufrieden

Der 24-Jährige selbst, der sich am 19. Oktober im Auswärtsspiel des FC Bayern München beim FC Augsburg (2:2) einen Kreuzbandriss im linken Knie zugezogen hat, will die Hoffnung auf seine EM-Teilnahme zum jetzigen Zeitpunkt aber noch lange nicht aufgeben. Vielmehr zeigte sich Süle im Rahmen seines Weihnachtsbesuchs beim Bayern-Fanklub Rollwagerl 93 sogar bemerkenswert zuversichtlich.

„Ich weiß, was kommen wird und ich weiß, dass ich es schaffen werde“, so der von Bundestrainer Joachim Löw eigentlich als Abwehrchef auserkorene Innenverteidiger, der nach eigener Aussage „sehr glücklich mit meinem Knie und dem Heilungsverlauf“ ist.

Seine Zuversicht begründet Süle auch mit der Erfahrung im Umgang mit einem Kreuzbandriss, der nicht immer einfach ist. „Ich weiß, was auf mich zukommt und was für ein langer und harter Weg das ist. Es gibt Tage, da denkst du: Warum machst du den ganzen Scheiß?“ Nach diesen Zweifeln aber kommen schnell wieder die Gedanken an das große Ziel: „Ich arbeite jeden Tag dafür, dass ich der Mannschaft wieder helfen kann, und dass ich hoffentlich so ein geiles Erlebnis wie die EM erleben darf und werde.“

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Skeptiker als Motivation, Khedira als Mutmacher

Bereits in der Saison 2014/15 erwischte es den Defensivmann damals noch im Trikot der TSG 1899 Hoffenheim mit der gleichen, von Fußballern gemeinhin als schlimmstmöglichen Verletzung bezeichneten Knieblessur. Damals aber kam Süle sogar noch stärker zurück und will selbiges erneut schaffen. Von vielen für die EM schon abgeschrieben worden zu sein, dient Süle dabei als zusätzliche Motivation. So gebe es laut dem 24-fachen Nationalspieler nichts “Geileres“, als es “allen anderen zu zeigen, die sagen: ‚Der schafft es eh nicht zur EM'“.

Als Mutmacher für Süle dürfte auch die Geschichte von Sami Khedira dienen, der vor der WM 2014 sogar erst Mitte November ebenfalls einen Kreuzbandriss erlitt, es aber dennoch nicht nur zur Weltmeisterschaft nach Brasilien schaffte, sondern bereits zuvor im Champions-League-Finale für Real Madrid wieder auf dem Platz stand.